Panel 5

Liebe geschrieben. Thematische und methodische Annäherungen an Paarkorrespondenzen des 19. und 20. Jahrhunderts

 Freitag, 8. Juni 2012 | 14.00–15.30 Uhr
Ort: Raum 40628

 

Barbara Asen | Liebesbriefe im Fokus. Quellenbestand und methodische Überlegungen

Ines Rebhan-Glück | Verkörperte Liebe?

Brigitte Semanek | Sprache der Sexualität

Christina Lutter | Moderation und Kommentar

 

Als Panel eingereicht werden drei Einzelreferate, die in thematischem Zusammenhang stehen und aus dem selben FWF-Projekt – „(Über) Liebe schreiben. Historische Analysen zum Verhandeln von Geschlechterbeziehungen und -positionen in Paarkorrespondenzen des 19. und 20. Jahrhunderts“ (Leitung: Ingrid Bauer und Christa Hämmerle) – entwickelt wurden. Tausende Paar- und Liebesbriefe von AlltagsschreiberInnen stehen im Zentrum des Projekts, das an der Schnittstelle von Geschlechtergeschichte, Geschichte der Liebe und Geschichte des privaten Schreibens angesiedelt ist. Das Verhandeln von Beziehung spielt in diesen Quellen ebenso eine Rolle wie der Wandel von Liebes- und Ehekonzepten oder die Imagination von Körper und Sexualität.

Im ersten Referat Liebesbriefe im Fokus. Quellenbestand und methodische Überlegungen wird Barbara Asen einen Überblick über die inhaltlichen Fragestellungen, den außergewöhnlichen Quellenbestand und die methodischen Perspektiven des Forschungsprojekts geben. Mit Blick auf die Ebenen von Erfahrung und Diskurs und unter Rückgriff auf einen „Methodenmix“, der u.a. Aspekte der qualitativen Inhaltsanalyse gezielt mit diskursanalytischen Verfahren verbindet und außerdem die Computersoftware Atlas.ti als Hilfsmittel nutzt, werden die Briefe erschlossen und für eine wissenschaftliche Analyse zugänglich gemacht.

In den beiden folgenden Referaten soll dieser Zugang anhand zweier Szenarien verdeutlicht werden. Im ersten dieser beiden Szenarien wendet sich Ines Rebhan-Glück mit ihrem Beitrag Verkörperte Liebe? der Thematik Körper/Körperlichkeit und Emotionen in Paarkorrespondenzen zu. Anknüpfend an den oben erwähnten „Methodenmix“ des FWF-Projekts und unter Rückgriff auf ausgewählte Theorie- und Methodenansätze aus den Feldern der Körpergeschichte wie einer Geschichte der Gefühle wird in einer Längsschnittanalyse der Frage nachgegangen, auf welche Art und Weise, mit welchen (Schreib-)Strategien, der/die Körper und Körperlichkeit in den Paarkorrespondenzen thematisiert, verhandelt beziehungsweise im Modus des Schreibens hergestellt wird. Wie werden in diesem Kontext Gefühle (Liebe, Sehnsucht, Freude, Angst, Trauer, Verzweiflung) und „der Körper“ aufeinanderbezogen? Werden Körper in den Paarkorrespondenzen als „Inskriptionsflächen“ und/oder Gefühlsproduzenten thematisiert und/oder generiert?

Im zweiten Szenario steht die Sprache der Sexualität in den Zeugnissen brieflicher Kommunikation im Mittelpunkt. Brigitte Semanek wird in ihrem Referat in einem Längsschnitt vom späten 19. Jahrhundert bis zur Zeit der „Sexuellen Revolution“ der 1960er/70er Jahre zeigen, wie in den einzelnen Korrespondenzen eine dem jeweiligen Paar eigene und dennoch von kulturellen Codes mitgeprägte Sprache der Sexualität entwickelt wird und wie erotische Nähe – etwa über Erinnerungen, Träume oder Phantasien – hergestellt wird. Die oben erwähnten methodischen Zugänge werden dabei um aus der Angewandten Sprachwissenschaft entlehnte Instrumentarien zur Analyse der in den Schreiben an die Begehrte oder den Begehrten verwendeten Metaphern und Zuschreibungen ergänzt.